28.06.22

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Hitzestress bei Sauen, Ferkeln und Mastschweinen

Hitzestress bei Sauen, Ferkeln und Mastschweinen

BeobachtenVerstehenHandeln

Wenn im Frühjahr und im Sommer die Temperaturen steigen, stehen wir immer wieder vor der Herausforderung unsere Tiere vor Hitzestress zu schützen. Bereits ab einer Umgebungs-temperatur von 22 Grad Celsius reagieren die Schweine sensibel. Ihre Atemfrequenz steigt an, die Futteraufnahme und Milchleistung sinkt. Mögliche Folgen können der plötzliche Tod kreislaufschwacher Tiere oder Kannibalismus sein. Dabei gibt es entscheidende Ansätze, die zur Verringerung oder Vermeidung des Hitzestresses beitragen.

Als Grundregel gilt: Beobachten – Verstehen – Handeln

Beobachten – Hitzestress verändert Verhaltensweisen

Sauen, Ferkel und Mastschweine fühlen sich bei geringen Temperaturen am wohlsten. Die „Wohlfühltemperatur“ liegt bei Sauen zwischen 12-22 °C, bei Ferkeln zwischen 20-32 °C und bei Mastschweinen zwischen 14-22 °C. In dieser Umgebungstemperatur können die Tiere ihre Körpertemperatur ohne zusätzlichen Energieaufwand aufrechterhalten. Dieses nennt man auch die „thermoneutrale Zone“. Steigt die Umgebungstemperatur über diese Zone hinaus an, können die Schweine ihre überschüssige Wärme nicht abführen. Es entsteht Hitzestress und belastet das Herz-Kreislauf-System. Schweine zeigen bei Hitzestress unterschiedliche Verhaltensweisen. Erste wichtige Anzeichen sind Hecheln, eine verringerte Futteraufnahme und die Vermeidung von Körperkontakt zu Artgenossen.

Hecheln

Hecheln ist das wichtigste Anzeichen um Hitzestress bei den Tieren zu erkennen. Die normale Atemfrequenz bei Sauen und Mastschweine liegt zwischen 15- und 20-mal pro Minute. Da Schweine keine Schweißdrüsen besitzen (nur an der Rüsselscheibe), können sie nicht schwitzen. Schweine kühlen sich, indem sie ihre Wärme über die Haut abgeben (Liegekühler). Hat dieses keinen Kühlungseffekt mehr, hecheln die Schweine mit geöffnetem Maul und kühlen sich durch die verdunstende Feuchtigkeit im Rachenraum ab.

Das ist eine natürliche, aber zugleich auch eine gefährliche Reaktion. Denn durch das Hecheln verändert sich die Atmung. Es wird weniger Sauerstoff aufgenommen und weniger Kohlenstoffdioxid (CO2) abgegeben. Dadurch sinkt der pH-Wert im Organismus und übersäuert. Die Folge ist, dass sich die lebensnotwendige Enzymtätigkeit (Verdauungsorgane/ Darmzellen) einstellt und Organversagen eintreten kann. Der pH-Normbereich liegt zwischen 7,35-7,4.

Futteraufnahme/ Verdauung

Die Futteraufnahme ist ein weiterer wichtiger Indikator für Hitzestress. Etwa 25% der enthaltenen Energie im Futter werden durch die Verdauungsprozesse im Magen-Darmtrakt in Wärme umgewandelt. Um diese Abwärme zu reduzieren, sinkt bei Hitzestress die Futteraufnahme.

Kühlung

Wenn die Umgebungstemperaturen sich erhöhen, weiten sich die Blutgefäße und der Blutfluss verlagert sich in die äußeren Gliedmaßen. Damit versuchen die Schweine ihre Wärme über das Liegen auf einer kühlen Fläche abzuleiten (Liegekühler). Weitere Verhaltensweisen sind ausgestrecktes liegen auf kühlen, feuchten oder wärmeableitenden Untergründen und sie meiden den Körperkontakt mit Artgenossen.

Verstehen – Hitzestress belastet den Organismus

Sauen

Durch die Verlagerung des Blutflusses bei Hitzestress in die äußeren Gliedmaßen leidet die Versorgung der Verdauungsorgane (Magen-Darm-Trakt) mit lebensnotwendigem Sauerstoff und Nährstoffen. Dadurch können vermehrt Darmzellen absterben und damit eine Durchlässigkeit der Darmbarriere verursachen. Schließlich gelangen Endotoxine in die Blutbahn und in die Gebärmutter und gefährden das Einnisten befruchteter Eizellen. Auch die Überlebensrate der Embryonen sinkt und die Abortrate erhöht sich. Die kritischen Phasen sind vom 1.-30. Trächtigkeitstag und die 14 Tage vor dem Abferkeln.

In der Laktation verringert sich die Futteraufnahme. Dadurch baut die Sau vermehrt Körperfett ab und verliert an Körperkondition. Dies hat zur Folge, dass die Milchleistung sinkt und die Absatzgewichte der Ferkel leichter werden. Zusätzlich besteht die Gefahr, dass die Sau nach dem Absetzten schlechter rauscht oder nicht tragend wird.

Mastschweine

Je höher das Körpergewicht der Mastschweine ist, desto eher sind sie von Hitzestress betroffen. Dies ist bereits ab 23°C Umgebungstemperatur der Fall.

Hitzestress in der Mast, äußert sich durch eine reduzierte Futteraufnahme, eine verlängerte Mastdauer und geringere Magerfleischanteile. Zudem fördert er aggressives Verhalten.

Ist die Darmbarriere als Folge einer hitzestresstypischen Minderdurchblutung des Verdauungstraktes geschädigt, können Endotoxine in die Blutbahn gelangen und Ohrrand- und Schwanznekrosen auslösen.

Handeln – Stoffwechsel der Tiere entlasten

Schon frühzeitig, vor den hohen Außentemperaturen, kann man den Stoffwechsel seiner Sauen entlasten, indem man seine Fütterung anpasst. Denn zu den hohen Umgebungstemperaturen wird der Organismus zusätzlich mit Wärme aus den Verdauungsprozessen belastet. Um diese zusätzliche Wärme zu reduzieren, sollte man die Energie eher aus Futterfett (Soja-/ Rapsöl) gewinnen. Denn bei der Fettverdauung wird weniger Wärme freigesetzt, als bei der Stärke und Proteinverdauung.

Zum Beispiel gehen bei der Verstoffwechselung von Proteinen ca. 38 % der Energie und bei der Verstoffwechselung von Fetten ca. 14% der Energie des Futters als Wärme verloren. Neben der Erhöhung des Fettgehaltes im Futter, ist es ratsam den Proteingehalt des Futters zu senken und die verdaulichen Aminosäuren in der Ration zu berücksichtigen. Somit entlastet man den Stoffwechsel und die Leber. Die Futtergaben sollten mehrmals am Tag (3-4) in kleineren Portionen angeboten werden.


Die Innovativen Produkte von ADDIFERM®, PANTO® und IBEKA® bieten wichtige Bausteine, um ihre Tiere bei hohen Außentemperaturen bestmöglich zu versorgen und dabei den Stoffwechsel zu entlasten.

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Zusätzlich zur „Sommerfütterung“ muss der pH-Wert im Organismus im pH-Normbereich gehalten werden, um die lebensnotwendige Enzymtätigkeit (Verdauungsorgane/ Darmzellen) sicher zu stellen. Um diese lebensnotwendigen Funktionen aufrecht zu erhalten, ist die Zugabe von Elektroly-ten unerlässlich. Elektrolyte helfen im Organismus bei der Regulierung der Nerven– und Muskelfunktion sowie des Säure-Basen- und Wasserhaushaltes. Ist einmal der Elektro-lythaushalt unausgewogen, beeinträchtigt es die Enzymtätigkeit und im schlimmsten Fall tritt Herz-KreislaufVersagen ein. Elektrolyte können nicht selbst hergestellt werden und müssen daher über die tägliche Nah-rung aufgenommen werden.

Um den hitzestressbedingten Fruchtbarkeitsproblemen (Rausche und Aborte) bei Sauen vorzubeugen, ist der Einsatz von Antioxidativ wirkenden Substanzen (z.B. Vitamin C und E) hilfreich. Auch Endotoxine (abgestorbene Zellteile von z. B. E. coli) spielen eine wichtige Rolle bei Fruchtbarkeitsproblemen. Sie können als Folge des Hitzestresses über den Darm in den Blutkreislauf gelangen, das Einnisten befruchteter Eizellen gefährden und Kannibalismus fördern. Zudem verursachen sie Nekrosen an den Ohren oder Schwänzen und können ???zu extremem Juckreiz führen. Wenn daran geknabbert wird, empfinden es die Tiere als wohltuend. Werden die Nekrosen blutig, verstärkt sich daraufhin das Beißen.


ADDIFERM® Mykosorbin bietet den optimalen Schutz

ADDIFERM® Mykosorbin ist eine spezielle Kombination verschiedener Bausteine wie zum Beispiel Bentonit, Klinoptilolith und Hefe zur Bindung und Adsorption von Myko- und Endotoxinen. Die Hefezellwände bilden im Darm eine zusätzliche Schutzbarriere, eine Art „Schutzfilm“ im Darm. Dieser „Schutzfilm“ verhindert die Anhaftung von Bakterien im Darm und stabilisiert das Immunsystem und entlastet den Stoffwechsel der Schweine. Achten Sie im Sommer besonders auf die Futterhygiene. Denn bei warmen Temperaturen fühlen sich Bakterien und Hefen besonders wohl. Reinigen sie daher die Tröge regelmäßig. Steht das Futter zu lange in den Leitungen und Trögen, beginnen Futterreste zu gären, was die Akzeptanz des Futters verringert.

ADDIFERM® ACID und ADDIFERM® Amacid bieten eine stabile Sicherheit

ADDIFERM® ACID ist eine Mischung verschiedener Säuren wie zum Beispiel Sorbin-, Zitronen-, Phosphor-, und Fumarsäure. Sie senken den pH-Wert im Futter und vermindern somit das Wachstum von Bakterien und Hefen. Zusätzlich bieten sie Schutz vor bakteriellen Infektionen des Magen-Darm-Traktes. ADDIFERM® Amacid ist eine wertvolle Verbindung aus einer organischen Säure und einem Mykotoxinbinder. Ameisensäure hat eine hohe bakterizide Wirkung und senkt den pH-Wert im Futter und vermindert somit das Wachstum von Bakterien und Hefen. Klinoptilolith bindet und absorbiert Myko- und Endotoxine.


Wasserversorgung

Wasser gilt als das wichtigste Futtermittel und ist bei hohen Temperaturen keinesfalls zu vernachlässigen. Denn bei steigenden Umgebungstemperaturen, steigt auch der Wasserbedarf der Schweine. Kontrollieren Sie regelmäßig den Wasserdurchfluss und die Funktionstüchtigkeit der Tränken.

Lassen Sie mindestens einmal im Jahr ihr Tränkewasser auf seine Eigenschaften und Inhaltsstoffe überprüfen. Denn so können sie frühzeitig die Akzeptanz des Wassers sicherstellen und Ablagerungen in den Rohrleitungen durch zu hohe Mineralgehalte reduzieren.

Wasserbedarf und Durchflussmengen
  Wasserbedarf l/Tier und Tag Durchflussmenge l/min
Ferkel bis 5kg LG 0,7 0,5
Ferkel bis 10kg LG 1,0 0,5 - 0,8
Ferkel bis 20kg LG 2,0 0,7 - 1,0
Mastschweine 25 bis 50kg LG 3 - 4 1,0 - 1,5
Mastschweine 50 bis 80kg LG 5 - 8
Mastschweine 80 bis 120kg LG 8 - 10
Sauen leer/ niedertragend 8 - 12 1,5 - 2,2
Sauen hochtragend 10 - 15  2,0 - 4,0
Sauen laktierend 15 + 1,5/Ferkel
Eber 10-15 1,5 - 2,2
Quelle: Brede 2016

 

Haltung

Das Stallklima hat einen entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden der Tiere. Damit hat es nicht nur in den Sommermonaten eine große Bedeutung, sondern muss im ganzen Jahr gemanagt werden. Mit modernen Lüftungssystemen lassen sich Luftaustausch und Innentemperaturen gut regulieren. Daher muss die Lüftungssteuerung mit Bedacht bedient werden. Zum einen muss man in den heißen Monaten lüften und kühlen und zum anderen muss Zugluft vermieden werden. Die Luftgeschwindigkeiten sollten daher im Winter 0,2 m/s nicht überschreiten. In den Sommermonaten können sie dagegen bei Mastschweinen auf 0,4 m/s erhöht werden.

Eine Sprühkühlung kann die Umgebungstemperatur senken und zum Wohlbefinden der Tiere beitragen. Hierbei ist es wichtig, die Luftfeuchtigkeit in einem optimalen Bereich zu halten. Diese liegt zwischen 60-80 %. Wenn die Luftfeuchtigkeit über 80 % steigt, bringt es keinen Kühlungseffekt mehr und die Tiere bekommen Hitzestress. Sinken die Temperaturen in der Nacht wieder, müssen unbedingt die Luftgeschwindigkeiten angepasst werden. Denn zu große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht können Kannibalismus fördern. Überprüfen sie regelmäßig, ob die Temperaturen im Stall konstant im Wohlfühlbereich der Tiere liegen oder sprechen sie mit ihrem Lüftungsexperten oder Fachberater.

Temperaturansprüche:

Anzustrebende Umgebungstemperatur
neugeborene Ferkel 35 - 37°C
(Ferkelnest erforderlich)
Saugferkel 28 - 32°C
Absatzferkel 25 - 27°C
Läufer 28°C
Vormast 20°C
Hauptmast 18 - 20°C
Zuchtsauen 12 - 22°C
Eber 16 - 18°C
Quelle: Heinritzin 2006

Fazit

Bei hohen Außentemperaturen ist es wichtig, seine Tiere immer im Blick zu haben und sich Zeit für die Beobachtung zu nehmen. Am veränderten Verhalten der Tiere erkennt man rechtzeitig, welche Maßnahmen unternommen werden müssen. Wichtig ist es den Stoffwechsel der Sau frühzeitig durch eine „Sommerfütterung“ und durch Zugabe von Elektrolyten, zu entlasten.

Auch in der Ferkelaufzucht und Mast kann durch Zugabe von Elektrolyten der Organismus entlastet und stabilisiert werden. Zudem verbessern Säurezusätze die Futterhygiene. Die Anpassung des Tränke- und Stallklimamanagements sind wichtige Maßnahmen und sollten nicht vernachlässigt werden. Durch betriebsindividuelle Maßnahmen, können ihre Tiere mit Hitzestress sehr viel besser umgehen.


 

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